Künstler – Jehuda Bacon

Jehuda Bacon

Jehuda Bacon hat anlässlich seines 80. Geburtstages einen Großteil seiner künstlerischen Arbeiten dem Diözesan-Museum Würzburg (Museum am Dom) überstellt. Für Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen und das gesamte Team bedeutet dieser Vertrauensbeweis neben der Verantwortung ebenso die Verpflichtung, im Geiste Jehuda Bacons sein künstlerisches Werk zu verwalten. Eine Auswahl seiner Arbeiten wurde in mehreren Ausstellunge

n präsentiert. Derzeit werden sämtliche Exponate erfasst – ein Katalog ist in Vorbereitung.


1929   wird Jehuda Bacon als Sohn jüdischer Eltern im Mährischen Ostrau geboren und wächst in der chassidisch geprägten Glaubenwelt auf.

1942   Deportation mit 13 Jahren gemeinsam mit Eltern und der ältesten Schwester nach Theresienstadt

1943   Deportation nach Auschwitz-Birkenau

1945 Evakuierung aus Auschwitz in das KZ Mauthausen, im April Verlegung nach Gunskirchen. Befreiung am 5. Mai. Eltern und Schwestern überleben den Holocaust nicht. Dank eines amerikanischen Soldaten wird seine Typhuserkrankung behandelt. Nach seiner Genesung geht er nach Prag

1945  Vorübergehender Aufenthalt in einem Jugendheim. Der Arzt Emil Vogel fördert die künstlerischen Ambitionen.

1946  Übersiedlung nach Palästina. Stipendium an der Jerusalemer Bezalel  Kunstakademie

1946-1951 Studium bei Mordechai Ardon

1951-1959 Kunstlehrer an der Brandhais-Schule in Jerusalem

1959  Berufung zum Professor für Grafik und Zeichnen an der Bezalel-Kunstakademie in Jerusalem

1963-1973 Aufenthalte in London und New York

1994  Jehuda Bacon emeritiert. Er lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Jerusalem.

 

Die ersten Bilder malte Jehuda Bacon nach dem Krieg 1945 in Prag. Im Zentrum seines bildnerischen Schaffens stand anfänglich, und das nahezu ausschließlich, der bedrückende Themenkreis von Auschwitz, namentlich Auschwitz-Birkenau. In den Mischtechniken auf Papier lassen sich vor allem zwei Aspekte erkennen. Auf größerenBlättern arbeitet er mit dem Pinsel in sehr vereinfachten Formen Figuren und Gesichter heraus, die miteinander in Beziehung stehen, Geschichten erzählen, die aber nicht eindeutig zu deuten sind und es der Fantasie des Betrachters überlassen, sie mit Inhalt zu erfüllen. ‚Jeder findet das, was er darin sucht’, meint er selbst zu seinen Arbeiten.

‚Mit meinen Werken trachte ich zu zeigen, dass es in der Welt mehr als nur eine Wirkklichkeit gibt. Ich versuche das Geheimnis des Lebens abzubilden. (…) Die Chassidim sagen: Macht an sich ist neutral. Sie ist zerstörerisch, wenn wir die Zügel fahren lassen. Darum muss der Mensch im Geistigen, wie auch in der Kunst seine Kraft auf das Gute richten, sonst kehrt sie sich gegen ihn und wirkt zerstörerisch. Wir brauchen einen absoluten Gott oder einen absoluten Wert, etwa die Gerechtigkeit, dem wir zustreben können.’ Jehuda Bacon

‚Bacon ist Maler, doch vor allem Zeichner und Graphier, besonders Radierer und Lithograph. Seine technische Meisterschaft ist vollendet und glückliche Voraussetzung für die Tiefe und Weite seiner ins Künstlerische erhobenen Menschlichkeit, die seine Umwelt teilnahmsvoll erfasst und in einer Fülle von seherischen Eingebungen aussstrahlt.’ Hans Günter Adler, Schriftsteller

‚Jehuda Bacons Kunst vereint zweierlei: zum einen die zeitgenössische künstlerische Ästhetik mit ihrer Vielgestaltigkeit und stilistischen Variation; zum anderen die dramatischen Ereignisse der jüngsten jüdischen Geschichte. (…) Letztlich ist Jehuda Bacons Kunst die Bestätigung, Bejahung einer umfassenden spirituellen Realität in der Sprache der zeitgenössischen Kunst.’ Prof. M. L. Mendelson